Havarie: die Schadstelle freilegen, ohne sie zu vergrößern

Bei einem Leitungsschaden zählt jede Stunde. Aber ein zweiter Schaden beim Freilegen kostet Tage.

Ansprechpartner: Martin Kuchenbecker Einsatzgebiet: SH · HH · Nds. Bedienpersonal: inklusive
Einsatz anfragen +49 (0)40 53299309 Ansprechpartner: Martin Kuchenbecker · mobil 0173-2347419

Ein Rohrbruch hält sich nicht an den Bauzeitenplan. Wenn Wasser die Bettung ausspült, ein Kabel abgerissen ist oder eine Gasleitung angefahren wurde, steht am Anfang dieselbe Frage: Wie kommen wir an die Schadstelle heran, ohne unterwegs die nächste Leitung zu erwischen?

Dafür ist ein Saugbagger gebaut. Er trägt den Boden mit Luft ab, kein Werkzeug bewegt sich auf die Leitung zu. Diese Seite beschreibt, was wir bei einer Havarie übernehmen, was an der Schadstelle geklärt sein muss und was den Termin bestimmt.

Die Lage an der Schadstelle

Bei einer Havarie fehlt genau das, was sonst am Anfang steht: Zeit für Leitungsauskunft, Suchschachtung und Abstimmung. Dazu ein Untergrund, der nicht mehr dem Plan entspricht. Trassenwarnbänder liegen nach DGUV Information 203-017 (Ausgabe Februar 2019) typischerweise 20 bis 40 Zentimeter über der Leitung, bieten aber keinen Schutz gegen mechanische Beschädigung.

Die schadhafte Leitung liegt außerdem selten allein: In gewachsenen Ortsnetzen teilen sich Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation denselben Graben. Nach dem VHV-Bauschadenbericht Tiefbau war 2023 jeder zweite Schaden im Tiefbau ein Leitungsschaden; als Hauptursache benennt der Bericht Bagger und andere Arbeitsmaschinen. Ein zweiter Schaden beim Freilegen verschiebt deshalb genau das, worum es gerade geht – den Reparaturtermin.

Was wir an der Schadstelle übernehmen

Wir legen frei, damit Ihr Reparaturteam arbeiten kann. Das Vorgehen entspricht dem planbaren Freilegen von Leitungen und Kabeln, nur unter Zeitdruck. Nachbarleitungen kommen dabei sichtbar zum Vorschein, statt vom Baggerzahn gefunden zu werden.

  • Einsehbarer Arbeitsraum. Die Schadstelle wird rundum freigelegt, nicht angegraben. Wer schweißt oder eine Schelle setzt, sieht, womit er es zu tun hat. Auf Wunsch mit Fotodokumentation.
  • Kein Erdhaufen neben der Grube. Das abgetragene Material bleibt im Behälter der Maschine; das kann laut DGUV den Platzbedarf verringern. Auf einer halbseitig gesperrten Straße entscheidet das über machbar oder nicht.
  • Abstand für die Bedienperson. Gesteuert wird per Funkfernbedienung von einem sicheren Standort. Niemand muss neben der schadhaften Leitung in der Grube stehen.
  • Die 30-Zentimeter-Grenze. Nach DGUV Information 203-017, Kapitel 6, ist maschineller Aushub nur bis maximal 30 Zentimeter oberhalb oder seitlich der Leitung zulässig. Ab dort bleiben Handschachtung oder Absaugen.
DGUV Information 203-017, Kapitel 6.1

„Im innerstädtischen Bereich sind Saugbagger besonders gut für Erdarbeiten in der Nähe erdverlegter Leitungen geeignet.“

Was vor dem Einsatz zu klären ist

Diese Punkte gehen wir am Telefon durch:

  • Freigabe des Betreibers. Wir beginnen, sobald der Betreiber Spannungsfreiheit beziehungsweise die Sicherungsmaßnahmen schriftlich bestätigt hat. Was die DGUV dazu vorgibt, steht weiter unten in den Fragen.
  • Laufende Ausspülung. Die Wasserhaltung liegt beim Auftraggeber. Austretendes Wasser muss abgestellt oder abgepumpt sein.
  • Der Boden ist bindig und fest. Klei, Lehm und verdichtete Auffüllungen lassen sich in aller Regel erst nach einer Vorlockerung aufnehmen; die Hersteller führen dafür eigene Druckluftwerkzeuge im Programm. Wie stark das bremst, entscheiden Bodenart, Verdichtung und Feuchte. Eine Zahl dazu nennen wir, wenn wir den Boden kennen. Die Obergrenze liegt beim Korn: aufgenommen wird, was durch den Saugschlauch passt, faustgroße Steine gehen laut DGUV noch mit. Mehr dazu unter welche Materialien und Böden sich absaugen lassen.
  • Es geht um reine Masse. Liegt im Umfeld nichts, was Schutz braucht, ist der konventionelle Bagger schneller. Die Abwägung steht unter Saugbagger, Bagger oder Handschachtung.
  • Die Baustelle liegt weit weg. Wir fahren ab Flughafenstraße 52a in Hamburg-Fuhlsbüttel. Nach Schleswig sind es 120 km, nach Husum 150 km, nach Flensburg 151 km. Das Routing weist dafür 81, 107 und 96 Minuten aus, freie Fahrt ohne Verkehr. Husum liegt dabei 1 Kilometer näher als Flensburg und braucht 11 Minuten länger, weil die A23 bei Heide endet. Im Landesnorden und an der Westküste ist die Anfahrt damit eine Planungsgröße. Ab einem vollen Einsatztag trägt sie sich; bei zwei Stunden Arbeitszeit zahlen Sie mehr Fahrt als Arbeit.
  • Ortung, Reparatur, Entsorgung. Wir arbeiten entlang der Auskunft des Netzbetreibers und dem, was vor Ort abgesteckt ist; ist die Trasse unklar, gehört ein Ortungsdienstleister davor. Die Reparatur führt Ihr Team oder der Netzbetreiber aus. Verbleib und Deklaration des Sauggutes regeln Sie; was dabei zu klären ist, steht unter Sauggut: Wiedereinbau oder Entsorgung.
  • Verkehrssicherung. Absperrung, Beschilderung und Absturzsicherung liegen beim Auftraggeber.

Der Anruf: was wir sofort brauchen

Am schnellsten geht es, wenn die Person anruft, die auf der Baustelle entscheidet: Bauleitung, Polier oder die Bereitschaft des Netzbetreibers. Diese Angaben entscheiden, ob im selben Gespräch ein Termin steht:

  • Einsatzort so genau wie möglich: Adresse, Kreuzung oder Flurstück.
  • Medium und Betreiber: Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernwärme oder Telekommunikation.
  • Vermutete Tiefe der Leitung und Bodenart, soweit bekannt.
  • Zufahrt und Aufstellfläche: Breite, Tragfähigkeit, Durchfahrtshöhe, Abstand zur Arbeitsstelle.
  • Ist abgesperrt, und wer stellt die Verkehrssicherung?
  • Ist der Netzbetreiber informiert, liegt eine Freischaltung vor?
  • Ansprechpartner vor Ort mit Mobilnummer, erreichbar während des Einsatzes.
  • Ab wann wird der Arbeitsraum gebraucht und wie lange?

Dieselben Punkte gelten für planbare Termine. Dort bleibt nur mehr Zeit, sie vorab zusammenzutragen.

Was parallel laufen muss

  1. Netzbetreiber verständigen. In Schleswig-Holstein ist für Strom und Gas überwiegend die Schleswig-Holstein Netz zuständig, in Hamburg die Hamburger Energienetze. Beim Trinkwasser ist es je nach Ort ein anderer Verband oder ein Stadtwerk; einen Landesversorger gibt es nicht.
  2. Absperren und sichern. Zum Aufstellen braucht die Maschine eine freie Zufahrt und einen gesicherten Bereich.
  3. Genehmigungslage klären. In Hamburg bedarf die Sondernutzung öffentlicher Wegeflächen nach § 19 Abs. 1 Hamburgisches Wegegesetz einer Erlaubnis; zuständig ist das Bezirksamt. Was bei Sofortmaßnahmen gilt, klären Sie mit der Stelle, die später auch abnimmt.

Was den Termin tatsächlich bestimmt

Wann die Maschine an Ihrer Grube steht, entscheidet sich an vier Punkten. Zwei davon stehen erst fest, wenn wir Ihre Baustelle kennen.

  1. Laufende Auslastung. Läuft gerade ein mehrtägiger Einsatz, ist die Maschine dort gebunden. Der Kunde dort hat genauso disponiert wie Sie.
  2. Entfernung. Wir stehen im Norden von Hamburg, in Fuhlsbüttel. Nach Norderstedt weist das Routing 12 Minuten aus, nach Pinneberg 24, nach Ahrensburg 33. Im Hamburger Norden und in den Nachbarstädten ist die Anfahrt selten das, was den Termin verschiebt. Nach Norden tragen A7 und A23 weit: Itzehoe 57 km in 44 Minuten, Neumünster 59 km in denselben 44 Minuten. Südlich der Elbe liegt die Querung dazwischen: Buxtehude ist mit 46 km näher als Neumünster und braucht 14 Minuten länger. Nach Rendsburg sind es 99 km und 67 Minuten, nach Flensburg 151 km und 96 Minuten; Hin- und Rückfahrt binden dort mehr Zeit als mancher Einsatz selbst. Alle Werte sind Freie-Fahrt-Zeiten ohne Verkehr. Berufsverkehr kommt obendrauf, an der Elbquerung besonders. Nachrechnen lässt sich das im Einsatzgebiet mit Kilometern und Fahrzeiten.
  3. Rüst- und Reinigungszeit. Der Sammelbehälter muss geleert sein, bevor neues Material hineinkommt. Boden aus zwei Einsätzen bleibt getrennt; sonst wird aus zwei unproblematischen Böden ein Deklarationsproblem.
  4. Freigaben vor Ort. Ist die Leitung bei unserer Ankunft nicht bewertet, stehen wir – und Standzeit wird berechnet.

Fahrzeiten ab Flughafenstraße 52a, 22335 Hamburg – Routing bei freier Fahrt ohne Verkehr

Norderstedt7,1 km · ca. 12 Min.
Pinneberg20,8 km · ca. 24 Min.
Ahrensburg20,1 km · ca. 33 Min.
Itzehoe56,5 km · ca. 44 Min.
Buxtehude45,6 km · ca. 58 Min.
Flensburg151,3 km · ca. 96 Min.

Vorsorge vor dem Schadensfall

Der Zeitverlust entsteht selten auf der Straße. Er entsteht davor: Angebot einholen, Konditionen abstimmen, Freigabe im eigenen Haus, Lieferant anlegen. Ist das vorab erledigt, bleibt im Schadensfall der Anruf.

  • Rahmenvereinbarung. Stunden- und Anfahrtssätze, Mindesteinsatzdauer und Abrechnung einmal geklärt. Woraus sich der Preis zusammensetzt, steht mit unseren Richtwerten unter Saugbagger mieten.
  • Stammdaten in beide Richtungen. Unsere Nummer in Ihrer Bereitschaftsliste, Ihre Ansprechpartner und Rechnungsangaben bei uns.
  • Kritische Punkte vorab beschreiben. Bodenart, Zufahrt und bekannte Belegung des Grabens. Einmal notiert, spart das am Schadenstag zwei Telefonate.
  • Beauftragung intern regeln. Wer darf am Freitagnachmittag verbindlich beauftragen? Das hält häufiger auf als die Anfahrt.

Havarie gemeldet?

Einsatzort, Medium, vermutete Tiefe und Zufahrt genügen für die erste Einschätzung.

Fragen, die im Havariefall zuerst kommen

Wie schnell können Sie bei einer Havarie vor Ort sein?

Den Ausschlag geben Auslastung, Entfernung und Rüstzeit. Wir fahren ab Hamburg-Fuhlsbüttel; im Hamburger Norden und in den Nachbarstädten Norderstedt, Pinneberg und Ahrensburg lässt sich am ehesten kurzfristig etwas einschieben, entlang von A23 und A7 auch noch in Elmshorn, Itzehoe oder Neumünster. Südlich der Elbe kommt die Querung dazu; nach Flensburg oder Husum ist die Anfahrt eine Planungsgröße. Im Gespräch nennen wir den frühesten Termin, der sich halten lässt.

Wen rufe ich im Havariefall an?

Ihr Ansprechpartner ist Martin Kuchenbecker, telefonisch unter 0173-2347419. Er kennt die laufende Disposition und kann im Gespräch sagen, ob und wann sich ein Termin einschieben lässt. Für die Baustelle selbst ist die Bereitschaft des Netzbetreibers der erste Anruf: Freischaltung und Bewertung der Leitung stehen vor der Arbeit an der Schadstelle.

Können Sie arbeiten, während Wasser austritt oder Gas strömt?

Die Freigabe kommt vom Betreiber. Nach DGUV Information 203-017 gelten erdverlegte Stromleitungen als unter Spannung stehend, bis der Betreiber die Spannungsfreiheit schriftlich bestätigt; Gas- und Fernwärmeleitungen gelten als gefährdend, bis er die Schutz- und Sicherungsmaßnahmen schriftlich bestätigt hat. Eine laufende Ausspülung muss abgestellt oder abgepumpt sein.

Was passiert, wenn beim Freilegen eine weitere Leitung angetroffen wird?

Dann gilt, was die DGUV für das unvermutete Antreffen von Leitungen vorgibt: Arbeiten sofort einstellen, Stelle sichern und kennzeichnen, Leitungsbetreiber und Auftraggeber verständigen. Voraussetzung unsererseits bleibt, dass uns die vorhandene Leitungsauskunft vor Arbeitsbeginn vorliegt.

Brauchen wir Absperrung und Genehmigung, bevor Sie kommen?

Ja, und beides liegt beim Auftraggeber. In Hamburg ist zusätzlich die Sondernutzungserlaubnis des Bezirksamts nach § 19 Abs. 1 Hamburgisches Wegegesetz zu beachten. Wir kommen auf eine freigegebene, gesicherte Stelle.

Lohnt eine Rahmenvereinbarung, wenn wir zweimal im Jahr anrufen?

Meistens ja. Sie kostet nichts und nimmt den langsamsten Teil vorweg: Konditionen, Ansprechpartner, Freigabeweg. Wer selten baut, hinterlegt wenigstens unsere Daten in der Bereitschaftsliste. Am schnellsten geht das über das Anfrageformular für Einsätze, bevor es soweit ist.