Schüttgut absaugen, wo kein Bagger hinkommt
Kies, Sand, Splitt, Schlamm, Bauschutt: Saugbar ist, was durch den Schlauch passt – und genau da liegt auch die Grenze.
Nicht jeder Saugbaggereinsatz hat mit Leitungen zu tun. Oft geht es nur darum, Material von einer Stelle wegzubekommen, an die kein Bagger fährt: Kies auf einem Flachdach im dritten Obergeschoss, Sand in einem Kriechkeller mit 90 cm lichter Höhe, Bauschutt in einem Innenhof mit 2,10 m breiter Durchfahrt. Das Verfahren arbeitet über Entfernung statt über Zufahrt. Das Fahrzeug steht an der nächsten tragfähigen Stelle, gearbeitet wird über den Schlauch.
Was durch den Schlauch passt
Ein Saugbagger erzeugt kein technisches Vakuum. Die DGUV beschreibt für die Geräteklasse Luftströme bis 32.000 m³/h bei einem Unterdruck bis 400 hPa, also 400 mbar oder 0,4 bar (DGUV Information 203-017, Ausgabe Februar 2019, Anhang 5; die Angabe gilt der Geräteklasse). Das Material wird von der großen Luftmenge mitgerissen, nicht von einem hohen Druckabfall. Daraus ergeben sich zwei harte Grenzen.
Die Korngröße
Die DGUV formuliert sie amtlich: saugbar sind feste Stoffe „bis zu einer Korngröße des Saugschlauchdurchmessers“, faustgroße Steine können mitgerissen werden (DGUV Information 203-017, Anhang 5). Das ist die einzige belastbare Zahl in diesem Feld. Was breiter ist als der Schlauch, bleibt liegen.
Die Bindigkeit
Rolliges Material nimmt der Luftstrom auf; bindiges hält zusammen. Der Hersteller RSP belegt das über sein eigenes Zubehörprogramm: Die pneumatische Bodensprenglanze zerreißt laut Ausstattungsbeschreibung „die Bindigkeit festerer Böden“ und macht das Absaugen damit erst möglich. Klei, Geschiebemergel und alte verdichtete Auffüllungen werden deshalb in der Regel erst gelockert und dann gesaugt. Diese Zeit gehört in die Kalkulation. Welche Materialien und Böden sich absaugen lassen.
Höhe und Reichweite sind dagegen keine feste Zahl. Schon der Hersteller schränkt seine Angaben zu Saugtiefe und Saugentfernung ausdrücklich ein: abhängig vom Material und von der installierten Saugleistung. Die veröffentlichten Volumenströme gelten zudem für den Ventilator, nicht für die gesamte Anlage; auch das steht in den Fußnoten des Herstellers. Eine Meterzahl ergibt sich erst, wenn Material und Ausstattung feststehen.
Sechs Orte, an denen wir absaugen
Sortiert nach Ort, weil der Ort die Aufgabe bestimmt.
Flachdach: Kies runter vor Sanierung oder PV-Aufbau
Die Kiesschüttung muss weg, bevor die Abdichtung erneuert oder eine Photovoltaikanlage aufgebaut wird. Über Aufzug, Kran und Schuttrutsche ist das Handarbeit in vielen Einzelgängen; über den Schlauch läuft die Aufnahme in einem Zug in den Sammelbehälter. Auftraggeber sind hier meist Dachdecker, Hausverwaltungen oder PV-Installateure.
- Gebäudehöhe bis Oberkante Attika; daraus folgt die erforderliche Saughöhe.
- Tragfähiger Stellplatz nah genug am Gebäude.
- Weg des Schlauchs aufs Dach und über die Attika, samt Schutzlage für die Abdichtung.
- Kies sauber oder mit Vegetation, Wurzelwerk und altem Vlies vermischt.
Wie hoch und wie weit gesaugt werden kann, richtet sich nach der Konfiguration der eingesetzten Maschine. Neuen Kies aufzubringen ist ein eigener Vorgang; fragen Sie ihn gezielt mit an, wenn Sie ihn brauchen.
Keller und Kriechkeller
Sand, Schlacke oder Schutt heraus, damit Platz für Dämmung, Leitungen oder eine neue Sohle entsteht. Die Maschine steht draußen, der Schlauch geht durch Kellerfenster, Lichtschacht oder Treppenhaus. Im Gebäude arbeitet nur der Schlauch, die Bestandssubstanz bleibt erschütterungsfrei. Nach dem Staub wird im Bestand regelmäßig gefragt. Der Hersteller RSP gibt für die Baureihe Patronenfilter der Staubklasse M und einen Reststaubgehalt unter 10 mg/m³ an. Das ist eine Herstellerangabe zur Geräteklasse; welche Filterausstattung konkret verbaut ist, sagen wir Ihnen auf Anfrage.
Enge Radien und lange Wege kosten Leistung. Material unter Fundamenten abzutragen ist eine Frage der Statik; Unterfangungen plant und verantwortet der Tragwerksplaner. Wir führen ausschließlich Saugbaggerarbeiten aus. Beim Freilegen der Kellerwand von außen ist der Saugbagger das passende Gerät: Fundament und Kellerwand freilegen.
Innenhof ohne Zufahrt
Hinterhöfe in gewachsener Bebauung haben selten eine Durchfahrt, durch die ein schweres Saugfahrzeug passt. Gebraucht werden deshalb eine tragfähige Stellfläche an der Straße und eine geklärte Schlauchführung, meist dazu eine Erlaubnis der Stadt für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsfläche. Die besorgt der Auftraggeber, und sie dauert je nach Behörde ihre Zeit. Planen Sie das früh ein.
Gleis- und Betriebsflächen
Auf Hafen-, Werks- und Bauhofflächen sammelt sich Material dort, wo es stört: in Entwässerungsrinnen, an Kranbahnen, zwischen Anschlussgleisen, unter Verladeeinrichtungen. Abgesaugt wird ohne Rangieren im laufenden Betrieb, und der Schlauchträger lässt sich per Funkfernsteuerung von einem sicheren Standort aus führen. Die DGUV nennt genau das als Vorteil des Verfahrens gegenüber der Handschachtung. Bei betriebenen Gleisen entscheidet der Betreiber; Sperrpause, Sicherung und Freigabe stehen vor dem Einsatz.
Becken und Behälter
Regenrückhaltebecken, Absetzbecken, Pumpensümpfe, offene Gruben: Sediment wird von oben aufgenommen, ohne dass jemand einsteigen muss. Für Schächte und Sandfänge gibt es eine eigene Seite.
Böschungen und schwer zugängliches Gelände
Uferböschungen, Hanglagen, Dammflanken, Flächen hinter Hecken und Zäunen. Der Vorteil liegt darin, dass die Fläche nicht befahren wird. Die schweren Marschböden im Westen Schleswig-Holsteins gelten nach Angaben des Landes als besonders verdichtungsempfindlich, die sandigen Geestböden weniger. Wo ein Kettenbagger Fahrspur und verdichtete Sohle hinterlässt, bleibt der Bodenaufbau unberührt.
Materialien im Einzelnen
Die Tabelle gibt Erfahrungswerte wieder. Für Splitt, Schotter, Streugut, Dämmstoffe und Laub gibt es weder normative noch herstellerseitige Korngrößengrenzwerte. Solche Listen kursieren im Netz, belegt sind sie nicht.
| Material | Einschätzung | Was das heißt |
|---|---|---|
| Sand, Geestsand, trockenes Erdreich | geht gut | Rolliges Korn, der unkomplizierte Fall. |
| Kies, rundes Korn, Dachkies | geht gut | Solange das Einzelkorn kleiner ist als der Schlauch. |
| Splitt, Schotter, Streugut | Einzelfall | Kein belegter Grenzwert. Es zählt das Korn vor Ort. |
| Bauschutt, gemischt | mit Vorbehalt | Große Brocken und lange, sperrige Teile müssen vorher raus. |
| Schlamm, nasses Sediment | Einzelfall | Der Wasseranteil entscheidet; wir sehen es uns vorher an. |
| Klei, Lehm, Geschiebemergel | braucht Vorlockerung | Erst mit Druckluft aufbrechen, dann aufnehmen. Kostet Zeit. |
| Verdichtete Auffüllung, Tragschicht | braucht Vorlockerung | Bei großer Fläche kippt die Wirtschaftlichkeit schnell. |
| Große Steine, Stubben, Bewehrung | eher ungeeignet | Passt es nicht durch den Schlauch, geht es nicht. |
| Dämmstoffe, Laub, Leichtstoffe | Rückfrage nötig | Keine belastbare Datengrundlage; Art und Menge klären wir vorher. |
Wann der Saugbagger die falsche Wahl ist
- Massenaushub auf freier Fläche. Ohne Leitungen, Wurzeln oder Bausubstanz im Weg ist der konventionelle Bagger in aller Regel schneller. Saugbagger, Bagger und Handschachtung im Vergleich.
- Ab einer gewissen Menge bestimmt die Abfuhr die Tagesleistung. Der Sammelbehälter ist endlich, und ohne Abfuhrkonzept steht die Maschine.
- Gebundene Schichten. Beton, Estrich und Asphalt sind kein Saugmaterial. Erst brechen, dann aufnehmen. Das ist ein eigener Arbeitsgang mit eigener Kalkulation.
- Ohne tragfähigen Standplatz in erreichbarer Nähe hilft die beste Reichweite nichts.
- Lärmempfindliche Nachbarschaft. Ein Saugbagger im Betrieb ist laut. In Wohnlagen und bei Nachtarbeit gehört das vorher geklärt.
Wohin das Material danach geht
Der Behälter wird abgekippt, üblicherweise in eine bauseits gestellte Mulde oder auf eine Fläche, die Sie uns zeigen. Deklaration und Verbleib steuert der Auftraggeber. Rechnen Sie diesen Posten von Anfang an mit ein. Bei gemischtem Bauschutt, Sediment aus Becken und jedem Kontaminationsverdacht entscheidet die Deklaration über die Kosten. Was mit dem Sauggut passiert.
Material, Ort, Menge – dann rechnen wir.
Sagen Sie uns, was weg soll, wo es liegt und wie viel es ist. Bei bindigem Material und schlechter Zugänglichkeit rechnen wir die Vorlockerung gleich mit ein.
Häufige Fragen zum Absaugen von Material
Kann ein Saugbagger Kies vom Flachdach absaugen?
Ja, das ist ein üblicher Fall vor Dachsanierungen und vor dem Aufbau einer Photovoltaikanlage. Zwei Punkte prüfen wir vorher: die erforderliche Saughöhe bis Oberkante Attika und einen tragfähigen Stellplatz nah genug am Gebäude. Was die vorgesehene Maschine an Höhe und Weite schafft, prüfen wir dabei mit. Nennen Sie uns Geschosszahl, Dachfläche und Schütthöhe.
Wie groß dürfen Steine sein, die aufgenommen werden?
Die DGUV nennt in ihrer Information 203-017 die Grenze: saugbar sind feste Stoffe bis zur Korngröße des Saugschlauchdurchmessers, faustgroße Steine können mitgerissen werden. Was breiter ist, bleibt liegen. Größere Brocken lesen wir aus, oder Sie räumen sie vorab ab. Das ist besser, als den Schlauch zuzusetzen.
Kann der Saugbagger in Kellern und Kriechkellern arbeiten?
Ja, sofern der Schlauch hineingeführt werden kann, durch Kellerfenster, Lichtschacht oder Treppenhaus. Die Maschine bleibt draußen. Grenzen setzen enge Radien und sehr lange Wege, weil beides Leistung kostet. Material unter Fundamenten abzutragen ist eine Planungsfrage; Unterfangungen gehören zur Statik und zu der Firma, die sie ausführt.
Lassen sich auch Schlamm und nasses Material aufnehmen?
Bis zu einem gewissen Wasseranteil ja; Sediment aus Becken, Sandfängen und Pumpensümpfen ist ein regelmäßiger Fall. Wo die Grenze zwischen saugfähigem Schlamm und freiem Wasser liegt, zeigt sich am Material und an der Ausstattung. Das klären wir am Objekt.
Wer entsorgt das abgesaugte Material?
Wir nehmen das Material auf und kippen den Behälter dort ab, wo Sie es wünschen, meist in eine bauseits gestellte Mulde. Ob es wieder eingebaut oder entsorgt wird, ergibt sich aus der Deklaration; sie liegt beim Auftraggeber. Was mit dem Sauggut passiert.
Wie viel Platz braucht die Maschine vor Ort?
Ein Saugbagger ist ein schweres Nutzfahrzeug und braucht eine tragfähige Aufstellfläche sowie eine Zufahrt, die zu Breite und Achslast passt. Deshalb fragen wir früh danach. Maße, zulässiges Gesamtgewicht und Achslasten der Maschine bekommen Sie als Datenblatt auf Anfrage; Näheres zur Technik steht auf der Seite zu Maschine und Technik.
Reinigen Sie auch Silos, Tanks und Anlagen?
Offene Becken, Gruben und Sümpfe saugen wir von oben leer. Silo- und Tankreinigung, die Innenreinigung geschlossener Behälter und Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen sind Sache der Industriereinigung.